Spritzenhäuser und Feuerwachen

Ihr erstes Domizil hatte die Freiwillige Feuerwehr Peine im Spritzenhaus in der Echternstraße, das im Dezember 1856 errichtet wurde und einen älteren, Anfang des 18. Jahrhunderts erbauten, Vorgängerbau an gleicher Stelle ersetzte. Im Jahr 1892 erhielt das Spritzenhaus einen hölzernen Steigerturm, der zum Trocknen der Schläuche und für Leiterübungen vorgesehen war. Wegen des starken Verkehrs in der Echternstraße konnten jedoch schon bald keine Leiterübungen mehr durchgeführt werden, weshalb auf dem Gelände der Gasanstalt ein extra Steigerturm errichtet wurde. Dieser, aus Holz gebaute, Steigerturm wurde schließlich auf den Wilhelmsplatz (heute Friedrich-Ebert-Platz) umgesetzt, um dort später wiederum durch einen aus Stahl und Stein bestehenden Nachfolger ersetzt zu werden. Das Spritzenhaus in der Echternstraße wurde bis 1931 genutzt, dann verkauft und umgebaut, wobei auch der hölzerne Steiger- bzw. Schlauchturm verschwand.

Im Laufe der Jahre war das Spritzenhaus in der Echternstraße veraltet und zu klein geworden. Dem steten Einsatz des langjährigen Hauptmanns der Peiner Feuerwehr und städtischen Branddirektors Senator Carl Freundel ist es zu verdanken, dass 1930 endlich mit dem Bau einer neuen Feuerwache an der Burgstraße / Rosenhagen begonnen wurde. Am 31. Juli 1931 wurde der Bau im Beisein von Bürgermeister Dr. Wietfeldt und Stadtbaurat Dr. Rahlves, der auch die Planung übernommen hatte, übergeben. In seiner Grundform lehnte sich der Entwurf deutlich an den modernen, nüchternen Bauhaus-Stil an. Die 12 Meter lange Fahrzeughalle bot vier Stellplätze, drei Stellplätze verfügten über Tore an beiden Seiten. So ergab sich die Möglichkeit, von hinten in die Fahrzeughalle einzufahren – bis heute kein Standard bei Feuerwehrhäusern! An der Rückseite des vierten Stellplatzes schloss sich der 4 x 4 Meter in der Grundfläche messende und 13,5 Meter hohe Schlauchturm an. Im zurückgesetzten Obergeschoss befand sich, neben einem Unterrichtszimmer, Kommandozimmer und Lagerraum, die sogenannte Schlauchpflegerei, also eine Schlauchwäsche, die sich direkt an den Schlauchturm anschloss. Das Gebäude war als Stahlskelettbau, aus Peiner-Trägern, ausgeführt, wodurch „die Stahlstadt Peine erstmals in die Lage versetzt wurde, einmal zu zeigen, was man alles aus Stahl machen kann“, wie ein Vorabbericht der „Peiner Zeitung“ damals anmerkte. Die wichtigste Neuerung war jedoch das direkt an die Feuerwache anschließende Wohnhaus mit sechs Wohnungen für Feuerwehrleute. Das Wohnhaus wurde am 1. August von sechs Feuerwehrkameraden und deren Familien bezogen. Bereits in der Nacht vom 2. auf den 3. August konnte dank der neuen Hausbesatzung bereits drei Minuten nach der Alarmierung zu einem Großfeuer nach Groß Solschen abgerückt werden. Die Hausbesatzung bewährte sich in den folgenden Jahren hervorragend und trug wesentlich zur Schlagkraft der Peiner Feuerwehr bei. Ab 1955 übernahm die sogenannte Bereitschaft sogar die Abfrage des neu eingerichteten Notrufs 112 und die Alarmierung der Feuerwehrleute – oder eine der Ehefrauen der Mitglieder der Hausbesatzung übernahm diese Aufgabe, wenn die Männer bereits ausrückten. So kam es auch, dass die Unterkunft der Freiwilligen Feuerwehr Peine fortan als „Feuerwache“ bezeichnet wurde – und bis heute wird. Stimmte zumindest damals ja auch, schließlich waren immer einsatzbereite Feuerwehrleute zugegen.

Mit dem Ausbruch des 2. Weltkriegs ergab sich eine weitere räumliche Veränderung, die zwar mit der Feuerwache am Rosenhagen an sich nur indirekt zu tun hat, der Vollständigkeit halber aber hier erwähnt werden soll: Mit der Aktivierung des zivilen Luftschutzes am 1. September 1939 wurde in Peine eine komplette, etwa 90 Mann und 20 Fahrzeuge umfassende, Luftschutz-Feuerwehrbereitschaft, später als „FE-Bereitschaft“ (Feuerlösch- und Entgiftungs-Bereitschaft) bezeichnet, stationiert. Die einzelnen Züge, zum Teil auch Gruppen, dieser Bereitschaften wurden aus nachvollziehbaren, strategischen Gründen möglichst dezentral stationiert. So kam es, dass – neben der Feuerwache am Rosenhagen – mindestens vier „Außenwachen“ am Silberkamp 45, in „Knüppels Mühle“ am Neustadtmühlendamm, in der Spinnhütte – bis vor einigen Jahren ELMEG – an der Vöhrumer (damals noch Land-) Straße und in extra errichteten Holzgaragen auf dem Hof der Bodenstedtschule eingerichtet wurden. Wahrscheinlich gab es sogar noch eine fünfte zusätzliche Unterkunft, deren Standort lässt sich jedoch nicht nachvollziehen. Mit dem Kriegsende wurden diese zusätzlichen Standorte wieder aufgegeben, die Holzgaragen vom Hof der Bodenstedtschule konnten dem Vernehmen nach jedoch zum Rosenhagen umgesetzt werden und die Platzprobleme in der schon wieder zu klein gewordenen Feuerwache lindern.

Denn zwischenzeitlich hatte sich der Fuhrpark der FF Peine vervielfacht: War 1931 beim Einzug lediglich die Automobil-Motorspritze von 1927 als Feuerwehrfahrzeug vorhanden – daneben bestand die Ausrüstung noch aus mehreren Wagen und einer mechanischen Leiter, die von Hand zum Einsatzort gezogen werden mussten – hatte die Stadt selbst 1939 eine Drehleiter und 1941 ein neues Löschgruppenfahrzeug beschafft, und weiter konnten zwei Kraftspritzen aus Luftschutzbeständen sowie ein weiteres Löschgruppenfahrzeug vom aufgelösten Werksluftschutz der Firma Hugo Schaffeld übernommen werden. Spätestens in den 60er Jahren wurde die Platznot in der Feuerwache am Rosenhagen immer prekärer. Die „Kreisschirrmeisterei und Kreisschlauchplegerei“ war bereits seit 1946 als Untermieter mit im Gebäude untergebracht. Stetig zunehmende, neue Aufgaben erforderten zusätzliche Fahrzeuge, wie zum Beispiel den, zur technischen Hilfeleistung bei Verkehrsunfällen vorgesehenen, Gerätewagen – GW 2 oder das Ölwehrfahrzeug GW-Öl. Allmählich platzte die – inzwischen – alte Feuerwache am Rosenhagen aus allen Nähten!

Im Sommer 1968 begannen daher erste Vorplanungen für einen Neubau. Der Standort der neuen Feuerwache sollte am Silberkamp 31 sein, die Stadt hatte das Grundstück bereits gekauft und vorsorglich einen Zuschuss beim Landkreis beantragt. Aufgeschreckt durch diesen Antrag sprach sich der Feuerschutzausschuss des Kreises im Januar 1969 für eine gemeinsame Planung von Feuerwache und Kreisschirrmeisterei aus. Die neue Ausgangslage erforderte einen grundsätzliche Überarbeitung der Planungen, das Projekt geriet ins Stocken. Konkret weiter ging es erst im Juli 1972, inzwischen waren Überlegungen aufgekommen, auch die Hilfsorganisationen DRK, THW, den Bundesverband für den Selbstschutz und die Polizei in ein sogenanntes Einsatzzentrum zu integrieren. Drei Standorte wurden nun diskutiert, wobei, neben dem Silberkamp sowie einem neu hinzugekommenen Grundstück am Lehmkuhlenweg, allerdings nur ein großes Areal am Berkumer Weg genügend Platz für den Bau des angedachten Einsatzzentrums bot. Obwohl sich alle Beteiligten, mit Ausnahme der Polizei, deren Planungen für ein neues Polizeigebäude an der Schäferstraße schon zu weit gediehen waren, im September 1972 für die Schaffung eines Einsatzzentrums am Berkumer Weg aussprachen, schieden DRK, THW und Bundesverband für den Selbstschutz aus finanziellen Gründen schon bald wieder aus den konkreten Planungen aus. Sie wurden jedoch weiterhin im Lageplan berücksichtigt. Im November 1975 fand ein Ortstermin auf dem inzwischen an der neuen Werner-Nordmeyer-Straße liegenden Geläden statt. Da das Straßenbauamt Hildesheim eine direkte Anbindung an die ebenfalls neu gebaute Stadtumgehung B65 – B444 nicht zusagte, wurde der Standort von Seiten der Wehr grundsätzlich in Frage gestellt. Aus dieser Zeit stammen wohl auch Überlegungen für einen weiteren alternativen Standort an der Ecke Fuhsering – Neustadtmühlendamm, die allerdings nie konkretisiert wurden. Wieder fast ein Jahr später, im September 1976, lag endlich ein erster, detailierter Vorentwurf für Feuerwache und Feuerwehrtechnische Zentrale, wie die Kreisschirrmeisterei inzwischen genannt wurde, vor. Er sah zwei gegenüberliegende, etwas über 50 Meter breite und 12 Meter tiefe Baukörper von, deren erster Baukörper die eigentliche Feuerwache darstellte. Im Obergeschoss, über der komplett überbauten Fahrzeughalle, sah der Plan in der Feuerwache unter anderem große Schulungsräume für die Kreisausbildung und sogar Räume für eine hauptamliche Wachbereitschaft vor. Letztlich blieb davon, abgesehen von der Fahrzeughalle mit zehn Stellplätzen, jedoch nicht viel über. Die Planungen wurden komplett verworfen und ein neues Raumprogramm erarbeitet, das im Juli 1977 vorlag. Auf dieser Grundlage legte das Hochbauamt im März 1978 einen neuen Vorentwurf vor, der nun schon deutlich die Züge der letztendlich gebauten Wache trug. Doch auch diese Planungen mussten erneut überarbeitet werden. Einerseits wollte der Landkreis die vorgesehene Einsatzzentrale nun als ständig besetzte Feuerwehreinsatzleit- und Rettungsleitstelle nutzen, was zu einem Mehrbedarf an Platz für die umfangreichere Technik führte, andererseits hatte das Straßenbauamt Hildesheim nun doch den Anschluss einer Alarmausfahrt direkt an die Einmündung B65 – B444 in Aussicht gestellt, weswegen die Ausrichtung des Hauptgebäudes, und vor allem der Leitstelle, nicht nach Norden, sondern nach Süden erfolgen sollte. Im Mai 1979, elf Jahre nach dem ersten Vorstoß des Kommandos der Kernstadtwehr, lag dann endlich der fertige Entwurf für den Bau der Stadtfeuerwache vor.

Mit der feierlichen Grundsteinlegung im Juni 1980 begannen die Bauarbeiten an der neuen Feuerwache, schnell nahmen der Bau und die parallel entstehende Feuerwehrtechnische Zentrale, nebst separatem Schulungs- und Katastrophenschutzzentrum, Gestalt an, nach genau einem Jahr Bauzeit konnte die neue Stadtfeuerwache im Juni 1981 bezogen werden. Auf einer Gesamtgrundstücksfläche von 9.800 m² standen der Kernstadtwehr nun rund 1.300 m² Nutzfläche zur Verfügung. Das Grundstück der, schon kurz vorher fertiggestellten, Feuerwehrtechnischen Zentrale umfasst rund 32.000 m² bei etwa 2.800 m² Nutzfläche. Der gewaltige Fortschritt wird beim Vergleich mit der alten Feuerwache deutlich, mit nun zusammengenommen rund 4.000 m² Nutzfläche, im Vergleich zu 374 m² am Rosenhagen, hatte sich das Platzangebot mehr als verzehnfacht! Der gesamte Komplex galt als vorbildlich, vor allem wegen seiner großzügigen Erweiterungs- und Übungsflächen, und war seinerzeit eine der modernste Anlagen dieser Art in der Bundesrepupublik. Hinsichtlich des großzügigen Geländes und der umfangreichen Einrichtungen gilt dies grundsätzlich bis heute, zur Erweiterung zu einem „Einsatzzentrum“, mit anderen Hilfsorganisationen, ist es indes nie gekommen. Lange Zeit wurden noch Flächen freigehalten, bis der Landkreis schließlich das neue Straßenverkehrsamt auf dem Areal erichtete. Von der Idee des „Einsatzzentrums“ zeugte bis vor einigen Jahren nur noch der Wegweiser an der Kreuzung B65 – B444, bis auch er durch ein neues Schild ersetzt wurde.